Tops und Flops

So war der Tag: eine Ansammlung von Tops und Flops…

TOP: Gleich morgens habe ich die Bestsellerwand gesichert und ein paar Pinselstriche hie und da getan. Das sieht nun gut und fertig aus.

FLOP: Der Mann im Auftrag der Telekom kam. Ich öffne strahlend die Tür – er schaut mich kaum an und brummelt sich etwas in den (tatsächlich vorhandenen) Bart und ich verstehe nur „Anschluss“ oder so. Dann stiefelt er hinter mir her und seine Mundwinkel schleifen fast auf dem Boden. Ich versuche ihn aufzumuntern, indem ich mich freue, dass es nun doch mit der Installation klappt usw.

Er kniet sich wortlos zur Telefondose, hält sein Prügerät daran und murmelt offensichtlich angenervt etwas von „Hauptverteiler“ oder so. Weiss ich, wo in dem großen Haus der Haupttelefonverteiler ist? Wir schauen in den Keller – nichts. Wir gehen in den Flur – nichts.
Ich muss mir anhören, dass ich doch wissen müsse, wo das Teil sei.
Ich flitze ins Obergeschoss zum Vermieter. Der weiss es auch nicht.
Ich flitze wieder runter und gebe die Nachricht weiter.
Der Telekom-Mann dreht sich wortlos um und geht zur Tür. Ich: „Und was nun?“ Er: „Komme gleich wieder.“ – Sprach’s und verschwindet die Strasse rauf. – Weg. 😯

Ich habe „einen Hals“! Auf den Telekomiker, auf den Vermieter und auf mich, weil ich ja auch daran hätte denken können, dass wir an den Schaltkasten müssen.

Telekom-Mann kommt zurück: „Brauch ’ne Leiter“. Ich flitze nach hinten und hole die Leiter. Wir raus auf die Strasse und ich halte in einem eisigen Wind (Juli???) die Leiter fest, damit er nicht beim Runterfallen von der Leiter mit dem Schraubendreher in der Hand gar das Schaufensterprofil beschädigt.

„Kein Signal. Kann ich ja wieder gehen. Müssen Sie erst in Ordnung bringen.“ – PANIK!!!!! Der will doch jetzt wohl nicht einfach eine Biege machen?!

Ein inniges Stoßgebet und ein paar Engelszungen später verfolge ich mit dem lieben Techniker der Deutschen Telekom im SCM Shop die verlegten Telefonleitungen bis kurz vor die Aussenwand des Hauses. Gefunden! – Irgendein %§$“%§/$ hat während der Umbauarbeiten anscheinend ein „überflüssiges Kabel“ einfach gekappt. Naja. War ja nur die Telefonleitung. Was soll’s? Heute hat doch jeder ein Handy. Wer braucht da noch Kabel?

Wäre eine Tischkante in der Nähe gewesen, ich hätte sicher ohne Anstrengung ein schönes Stück herausbeißen können.

„Und jetzt?“, frage ich.

„Müssen Sie erst mal reparieren lassen. Ist nicht meine Sache.“

„Aber die Leitung ist doch nur innerhalb des Hauses defekt. Das andere Ende kommt doch hier von draussen rein. Dann könnten Sie den Anschluss doch einfach hier setzen?“

„Habe schon viel zu viel Zeit hier verbracht. – Wieso bin ich nur so gutmütig? – Bin ja selber schuld.“ – Und ähnliche Dinge kamen ihm über die Lippen. Diesmal zumindest auch für meine alte Ohren gut verständlich.

Er also Dose angeschlossen und Signal geprüft.

„Kein Signal.“ – Spricht es und verschwindet wieder durch die Tür die Strasse rauf. Weg…

Einige Minuten später kommt er wieder: „Brauch noch mal die Leiter.“

Wir stehen wieder draussen. Er oben auf der Leiter. Ich unten, um ihn ggf. todesmutig mit meinen Armen und unter Einsatz meiner eigenen körperlichen Gesundheit im Falles eines Absturzes aufzufangen oder ihm gar als Landematte zu dienen. – Wenn er nur mein Telefon zum Laufen brächte! – Es wehte ein eisiger Wind und ich hatte nur ein kurzärmeliges Hemd an. (Erwähnte ich schon weiter oben, oder?)

„Kein Signal.“

Ich setze die Führungsfragemnethode ein: „Was müsste denn Ihrer Meinung nach jetzt passieren, damit es geht?“

Er ignoriert mich. Kommt von der Leiter und verschwindet die Strasse rauf.
Ich nutze die Zeit und flitze in den SCM Shop meine leichte :‘-( Jacke holen. Gerade rechtzeitig, als seine Majestät, die Koryphäe der Telekommunikationstechnik wieder erscheint und die Leiter erklimmt. Nun kann ich endlich wieder zu ihm aufschauen. (Irgendwie frisch hier draussen. Dieser Wind…)

„Jetzt ist ein Signal da.“, murmelt er.

Mein Held!!!

Wir gehen wieder rein zum Kabelende. Es ist so schön im SCM Shop Fallersleben! Hübsch eingerichtet. Windstill. (Ich glaube ich erwähnte die Wetterverhältnisse vor der Tür, oder?)

„Geht!“, sagt der Held aller Buchhändler kurz der Eröffnung zu mir und zeigt auf die behelfsmäßig montierte Telefondose am Boden.

„Besorgen Sie sich Telefonkabel aus dem Baumarkt, dann können Sie über Klemme 5 und 6 nach hinten durchschleifen. Sollte dann gehen. Der Anschluss wird im Laufe des Nachmittags freigeschaltet.“

Ohne eine Antwort abzuwarten, nimmt er sein Handy, wählt und spricht einige sehr verwirrende Zahlen und Codes hinein. Dann darf ich seinen Arbeitsauftrag unterschreiben.
Während er ihn ausfüllte, gelang es mir doch tatsächlich eine kleine Beziehung zu dem gestressten Mann aufzubauen. Er erzählte von seinen Zeitvorgaben und all dem Stress. Als ich ihn, wenn er das nächste Mal wieder in Fallersleben wäre, zu einem Cappucino im SCM Shop einlud, fragte er sogar nach, was wir hier machen wollen. Bis zu meinen Worten „…mit christlichem Schwerpunkt“ hörte er gespannt und sogar etwas interessiert zu.

Mit den Worten „…das ist nicht so mein Ding.“ Verschwand er dann. Wohin? – Na, die Strasse entlang…

TOP: Der Elektriker kam wie schon zwei Tage vorher geplant. Er hatte zufällig genug Telefonkabel dabei und nach einer halben Stunde war ein neues Kabel durch die abgehängte Decke nach hinten zum künftigen Büro verlegt, die Telefondose montiert und das neue Telefon angeschlossen.

TOP: Ich schaffte es endlich meine eigene Arbeit weiter zu machen. Irgendwann waren die Sockelleisten im Shoptresen angebracht.

TOP: Der Elektriker hat das Schienensystem und die Leuchten hinter der Schaufensterfront montiert und angeschlossen.

FLOP: Sie funktionieren nicht.

Er fragt mich, ob die Verteilerdose in der Rigipsdecke schon angeschlossen war, als der Innenausbauer sie geschlossen, tapeziert und gestrichen hatte.
Nach dem ich den Innenausbauer angerufen und gefragt hatte, konnte ich bestätigen, dass die Verteilerdose in der Decke angeschlossen und geschlossen gewesen wäre. (Wiedergabe der Worte des Innenausbauers)

Daraufhin maß er noch einmal die Leitungen durch und kam zu dem Schluss, dass er die Decke aufmachen müsse.

Wie jetzt? Rigips aufbohren, sägen, schneiden? Staub, Dreck, kaputte Tapeten an der Decke? Loch in der Decke? Neu zugipsen? Erneut tapezieren? Erneut streichen??

Ich drehte ein paar Schrauben in meine Sockelleiste und schwieg. Innerlich sang ich: „So groß, ist der Herr…“ und sagte mir: „Alles wird gut!“ – „So grooß, ist der Herr…“

Des Elektrikers Frage riss mich aus meiner mentalen Fluchthöhle: „Was soll ich jetzt machen?“

Ich schaute zur Decke und machte einen Vorschlag: „Mach die Decke hier am Kabelauslaß auf. Dann kannst du sicher an die Verteilerdose daneben gelangen. Anschließend wird hier sowieso eine Leuchte drübergesetzt, dann sieht man das Loch nicht.“ – Wie immer: Beten hilft eben!

Einige Zeit später war ein 20 cm großes Loch in der Decke, aus dem eine NICHT angeschlossne Verteilerdose mit OFFENEM Deckel und jeder Menge NICHT angeschlossener Kabel hing. „Naja.“, dachte ich bei mir, „das sieht ja FAST so aus wie eine korrekt angeschlossene Verteilerdose mit geschlossenem Deckel und sauber einlaufenden Kabeln aus. Das kann man schon mal leicht verwechseln…

Hat mal jemand eine Tischkante für mich?

TOP: Eine knappe Stunde später strahlten die Strahler vor der Schaufensterfront im schönsten Licht! Das 20 cm große Loch in der Decke hatte der Elektriker wieder rel. sauber verschlossen und verschraubt. Wenn dort später die Leuchte montiert ist, ist das unsichtbar.

TOP: Ein LKW fuhr vor und brachte die Deckenleuchten. Klasse! Nun konnte „es Licht werden“ im SCM Shop Fallersleben!

FLOP: Es fehlten 13 Leuchten.

Tischkante…

Alles wird gut!

TOP: Ilona hatte viel für den SCM Shop eingekauft und alles bekommen, inkl. eines hohen Drehstuhles, den ich an die Kasse stellen wollte, damit man beim längeren Stehen sein Gesäß mal etwas „parken“ kann. Auch für die kleine Teeküche hatte sie alles bekommen, was wir haben wollten. Toll!

TOP: Die Firmenschilder für die Aussenfassade werden noch vor der Eröffnung kommen.

FLOP: Die fehlenden Leuchten kommen danach…

Alles wirds gut…

TOP: Wir haben einen günstigen Kühlschrank gefunden und holten ihn kurz vor 18.00 Uhr noch schnell ab.

FLOP: Bei der Montage der Spiegel in den Toiletten drehten sich bei zwei Schrauben die Köpfe ab. Der Rest der Schraube steckte halb in der Wand…
Ich erspare euch den Rest.

TOP: Morgen früh werden wir Hilfe haben, wenn wir die Büromöbel holen wollen. Anschließend wollte ich die EDV aufbauen. Das muss leider warten, denn:

FLOP: Die Telefonleitung ist bis jetzt (21.33 Uhr) noch nicht freigeschaltet. (Definiere: „im Laufe des Nachmittags“!) :-/

Bis demnächst!

A. K.

Inhaber einer bald öffnenden, wunderbaren christlichen Buchhandlung im Großraum Wolfsburg, Gifhorn, Braunschweig, Helmstedt.

Noch 9 Tage!

3 Responses

  1. Das war ja ein richtiger Krimi! Anteilnehmende Grüße von Beate

  1. Juli 22, 2012

    […] will, kann ja noch einmal die Vergangenheit Revue passieren lassen. Hier ist der Link zum besagten alten […]

  2. Dezember 1, 2013

    […] will, kann ja noch einmal die Vergangenheit Revue passieren lassen. Hier ist der Link zum besagten alten […]

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