Ein Teil meiner Jugend ist gestorben

Ray Bradbury ist tot.

Diese Nachricht traf mich heute beim  Lesen der Tageszeitung mehr als ich vermutet hätte.

Seit einigen Wochen war ich nun schon dabei – immer nur sporadisch, aber ich hatte es nicht aus den Augen verloren – eine Kiste mit Büchern zu suchen. Diverse Umzüge, bedingt durch die privaten Umbrüche vor einigen Jahren, hatten dazu geführt, dass ich eine ganze Menge Bücher in große Umzugskartons verstaut hatte und zwischengeparkt habe. Und wie das sicher der eine oder auch kennt, wenn Dinge erst einmal ein wenig aus den Augen sind, dann sind sie auch aus dem Sinn. – Aber eben nicht ganz.

So ging es mir mit meinen Büchern von Ray Bradbury. Sie landeten zwar in den besagten Umzugskartons, aber nicht in der Vergessenheit. Dazu haben sie mich in jungen Jahren viel zu sehr geprägt und begeistert. Nun habe ich vor einer guten halben Stunde doch noch einmal meinen Hintern hoch gehievt und habe den langvermissten Karton mit diesen, ja ich kann es ruhig sagen „Kostbarkeiten“, endlich wieder gefunden. Als ich den Deckel öffnete, war es irgendwie wie Weihnachten mit den Kindern. Es ist schön, solche Begeisterung erleben zu dürfen!

Vielleicht ist das für euch nicht ganz nachvollziehbar, das kann ich verstehen. Aber vielleicht habt ihr ja andere Dinge, die euch ähnlich ein Leben lang begeleiteten oder noch begleiten? Und dann bringen sie ein Glänzen in eure Augen. Kennt ihr das? Leute, lasst euch sagen: wenn ihr so etwas kennt, seid dankbar dafür. Ich persönlich empfinde das als Geschenk.

Doch ich schweife ab.

Damals in den 1970er Jahren war ich begeisterter Leser der Heyne Science Fiction Reihe. Ich würde sagen, es war die bedeutendste Edition nahmhafter deutscher und internationaler SF Literatur, die es je gegeben hat. Zugegeben, das war ein Superlativ. Aber für mich ist es so. Danke Wolfgang Jeschke, der du diese Reihe herausgegeben hast!

Besonders die Geschichten von Ray Bradbury haben es mir – auch heute noch – angetan. Allein die Titel versetzen mich schon in eine besondere stimmung: „Geh‘ nicht zu Fuß durch stille Straßen“, „Medizin für Melancholie“, „Ferner Donner“, „Der tätowierte Mann“, „Löwenzahnwein“. Toll!

Ray Bradbury schrieb Unmengen von Kurzgeschichten, die alle etwas Besonderes an sich haben. Sicher, Einige davon waren zum Teil auch etwas gruselig, aber das sind Ausnahmen. Die Mehrzahl (gefühlt) sind „Sommer“. Sommer im mittleren Westen der USA. Die 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Keine Mobiltelefone, kein Internet, nicht mal Telefon. Wenn überhaupt dann nur Radio. Das Tempo der Zeit war, im Vergleich zu heute, eher schneckig. Staubige Straßen, quietschende Verandaschaukeln im Wind, verschrobene, dickköpfige alte Leute. Ich kann das gar nicht so beschreiben. Das muss man einfach gelesen haben. Leider sind von Bradbury auf deutsch heute gar nicht mehr viele Bücher erhältlich. Natürlich hat sicher jeder schon mal etwas von „Fahrenheit 451“ gehört. Der Roman, mit dem Ray Bradbury einer Weltöffentlichkeit bekannt wurde. Ich finde ihn persönlich nicht sooo gut. Da liegen mir „Die Marschroniken“ wesentlich näher. Es ist ein Roman aus lauter Kurzgeschichten. Phantastisch, nachdenklich, melancholisch. Einfach genial!

Und jetzt habe ich meine ganzen Schätze wieder gefunden und sie stapeln sich hier vor mir auf dem Tisch:

  • Fahrenheit 451
  • Medizin für Melancholie
  • Die Mechanismen der Freude
  • Das Kind von morgen
  • Löwenzahnwein
  • Das Böse kommt auf leisen Sohlen
  • Familientreffen
  • Die Marschroniken
  • Geh nicht zu Fuß durch stille Straßen
  • Der illustrierte Mann
  • Der Tod ist einsames Geschäft
  • Die vergessene Marsstadt

Wenn ich den Stapel so sehe und das dann mit dem vergleiche, was man heute noch von Ray Bradbury im Buchhandel bekommen kann, dann muss ich sagen, schlage ich selbst große Buchhändler um Längen! 🙂

Aber macht euch keine Hoffnung: die Dinger sind UNVERKÄUFLICH!

Alle zwischen 1977 und 1987 erschienen und in TOP Zustand. So wie ich 😉

Ich freue mich schon, in den nächsten Tagen mir nach und nach wieder eine Kurzgeschichte nach der anderen einzuverleiben.

Toll, dass ich diese Bücher wiederfinden durfte.

Vielleicht sollte ich  mal eine Lesung damit bei mir im SCM Shop veranstalten? Was meint ihr?

So, ich muss nun ins Bett gehen – lesen!

Achja: Danke Ray! Du weisst jetzt mehr als wir!

Bis demnächst!

Andreas

Inhaber DER christlichen Buchhandlung im Großraum Wolfsburg, Gifhorn, Braunschweig, Helmstedt. Fallersleben, Bahnhofstr. 10. Öffnungszeiten: Mo – Fr 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr Sa 9.00 Uhr bis 13.00 Uhr, Tel. 05362 126280

P.S.: Es gibt ihn wieder, den Veranstaltungsflyer des SCM Shop Fallersleben! Im praktischen PDF Format jederzeit lesbar.

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