Kann ich mir vier Sonntage ausleihen?

Das wäre wirklich kein schlechter Gedanke. Wenn ich jetzt vier Sonntage am Stück hätte. Und am Besten die Samstagnachmittage gleich mit dazu.

Oder wenn ich an die große Zeituhr gehen und den Schalter auf „Standby“ umlegen könnte. Alle Autos würden einfach anhalten, wo sie auch gerade sind. Die Vögel würden mitten im Flug einfach in der Luft hängen bleiben. Der Fussballspieler stünde einbeinig auf dem Rasen, die Arme seltsam nach hintengedreht, die Schultern weit zurück und das rechte Bein auf Brusthöhe vor sich ausgestreckt ohne sich zu rühren oder umzufallen. Und vierzig Zentimeter vor seinem Schuh hing die schwarz-weiß gefleckte Lederkugel einfach rum.

Die Katze, die sich eben gähnend streckte, läge bewegungslos auf dem Boden, die Vorderpfoten gestreckt und die Krallen ausgefahren und das Mäulchen weit aufgesperrt, sodass die scharfen Zähne zu sehen wären.

Das Baby reckte mit aufgerissenen Augen und aufgesperrten Mund seinen Kopf dem breigefüllten Löffel seiner Mutter entgegen. Doch es fehlten noch 10 Millimeter bis zu seinen Lippen. Und so starren seinen Pupillen weiter auf das leckere Essen, doch es käme nicht daran.

Die Kellnerin im Biergarten, mit gegrätschten Beinen, beladen mit acht Maß Bier vor der Brust, sähe schon fast ballerinenhaft graziös aus und könnte als Wunder des Gleichgewichts durchgehen. Denn trotz ihres vermeintlich unsicheren Standes und des hoch gelegenen Schwerpunktes, fiele sie nicht um, zuckte nicht mit einer Wimper und hielte Sturm und Wind stand.

Der Mann am Stammtisch säße auch weiterhin mit verschränkten Armen und gesenktem Kopf vor seinem halbvollen Glas. Hier sähe man keinen Unterschied, denn auch bevor ich die Uhr angehalten hätte, bewegte er sich nicht.

Der Hund, der soeben seinem Lieblingsbaum einen Besuch abstattete und das Hinterbein hebte, verharrte plötzlich mitten in der Bewegung.

Und was machte ich?

Ich läge auf meinem Sofa und könnte es mir mir in meiner Zeitblase bequem machen.

Und dann begänne ich den Stapel Bücher, die ich jetzt als Leseexemplare vorliegen habe, von oben beginnend durchzulesen! Kein Telefon. Kein Mail. Kein Facebook. Kein Twitter. Nur die Bücher.

Wenn ich den Stapel hier so vor mir sehe, würde ich beginnen mit:

Ritter des Ku-Klux-Klan,  dem neuen Buch von Damaris Kofmehl. Sie erzählt darin die Geschichte des Richard Harris, der in den 70er Jahren als „Großdrache“ den Ku-Klux-Klan im mittleren Westen Amerikas anführte.

Dann käme Das Inselcamp von Martina Steinkühler an die Reihe. 12 Konfirmanden, ein langweiliger Diakon. Und dann der Vorschlag zu zwei Wochen auf einer Insel. „Nur über meine Leiche!“, sagt eines der Mädchen. Laut Klappentext soll sie damit gar nicht so verkehrt liegen….

Als nächstes nähme ich mir Das Haus auf Crescent Hill von Melanie Dobson vor. Ein alte Villa, eine verstorbene Großmutter. Geheimgänge, Fluchträume für entlaufene Sklaven, alte Familengeheinisse. Klingt spannend!

Nach soviel Aufregung würde ich mich zur Entspannung einer ausgesprochenen „Frauenlektüre“ widmen. Also zumindest macht Frischer Wind für Walnut Hill von Kim Vogel Sawyer diesen Eindruck auf mich. Eine Dorfschullehrerin in Nebraska, progressiv und unbeirrbar. Sie lässt sich vom Stadtrat, der andere Ansichten als sie hat, nicht kleinkriegen. Doch dann ist da noch der attraktive Farmer Joel. Uiiiihhh!!!! 🙂

Nun ja.

Diese Bücher würde ich (so als kleine Beispiele) in meiner Zeitblase lesen!

Und zwischendurch würde ich Land der Sehnsucht von Tamara Alexander, Geborgtes Leben von Linda Nichols und Fionas Geheimnisse von Lynn Austin anschauen.

Habe ich erwähnt, dass ich auf meinem Sofa nicht allein wäre? Meine liebe Frau Ilona würde ich natürlich mitnehmen!  🙂

Aber: so eine Zeitblase gibt es nicht.

So gehe ich an die Uhr und schalte wieder auf Automatik zurück. Die Autos fahren weiter über die Kreuzung, die Schwalben zischen weiter durch die Luft, der Fußballer zieht seinen Bombenschuss richtig fett durch, die Katze legt sich nach dem Gähner wieder auf die sonnige Fensterbank, das Baby erwischt endlich seinen ersehnten Löffel Brei, der Mann säße auch weiterhin bewegungslos vor seinem Bier und die Kellnerin schreitet weiter über den knirschenden Kies.

Und ich lese die Bücher eben nach und nach während des „normalen“ Lebens.

Keine Angst, den Hund habe ich natürlich nicht vergessen. Der „darf“ natürlich auf wieder. 😉

Eigentlich eine gute Idee!!!

Na denn!

Andreas

Inhaber DER christlichen Buchhandlung im Großraum Wolfsburg, Gifhorn, Braunschweig, Helmstedt. Fallersleben, Bahnhofstr. 10. Öffnungszeiten: Mo – Fr 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr Sa 9.00 Uhr bis 13.00 Uhr, Tel. 05362 126280

P.S.: Es gibt ihn wieder, den Veranstaltungsflyer des SCM Shop Fallersleben! Im praktischen PDF Format jederzeit lesbar.

 

Nicht vergessen!! Montag findet wieder unser Bibliorama statt! Um 19.00 Uhr geht es los! Wir stellen an drei Abenden die wichtigsten Bibelübersetzungen vor. Der Eintritt ist frei!

Stöberzeit beginnt ab 18.00 Uhr 😉

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