Eine besondere Erfahrung

Da heisst es immer landauf, landab, dass Selbständige „selbst“ und „ständig“ arbeiten würden / müssten.

Jeder weiß natürlich, dass dieser Ausspruch zum Einen rein grammatisch falsch ist, zum Anderen aber auch nur eine Allegorie darstellt. Nämlich die Aussage treffen soll: Wer sich selbständig macht, ist dazu bestimmt (verdammt) immer alles selbst machen zu müssen.

Nun, ich will ehrlich sein: wer ein Geschäft aufbauen will, kann dies in der Regel nicht dadurch, dass er den ganzen Tag auf dem Golfplatz verbringt (es sei denn, er ist Golflehrer oder so etwas). Einsatz ist natürlich gefragt. Wer (irgendwann) einmal ernten will, muss vorher die Ärmel hochkrempeln und „säen“. Und das heisst dann Einsatz, Schweiss, Arbeit, Entbehrung.

Und der Erfolg bleibt in der Regel nicht aus. So weit. So gut.

Dennoch habe ich hier in Wolfsburg, der Stadt des Automobils, ja auch die Möglichkeit, ganz anschaulich zu lernen.

Mein Einsatz in den vergangenen fast drei Jahren war zu Gunsten des Aufbaus des SCM Shop Fallersleben wirklich überdurchschnittlich. 110% Leistung war da eher schon unterste Stufe. Meist war es mehr und oft sogar noch darüber. So wurde aus der Selbstständigkeit tatsächlich so etwas wie „selbst“ und „ständig“. Doch ich will auf das Beispiel mit dem Automobil zurückkommen. Was geschieht, wenn ein Motor dauernd über 100% Leistung betrieben wird? Wenn ständig Vollgas gefahren wird?

Einverstanden: Es wird wohl keine Verstopfungen in den Ventilen und Leitungen geben. Denn dort herrscht Betrieb, Durchfluss, Bewegung. Da tobt das Leben. Wer rastet, der rostet. Da ist etwas Wahres dran.

Aber was ist mit der Karosse? Den Reifen? Sonstigen Verschleißteilen?

Jedes Automobil, jede Maschine braucht seine Wartungs- und Auszeiten. Nur so kann sie ihre Leistungsfähigkeit auf Dauer behalten. Werden diese Servicezeiten nicht gewährt und eingehalten – passiert erst mal gar nichts. Die Maschine rennt weiter wie bisher und schnurrt und schnurrt – und dann zerreisst es sie ganz plötzlich und das ganze Teil ist nur noch Schrott.

Dumm gelaufen.

Beim menschlichen Körper ist das, Gott sei dank, etwas anders.

Auch diese Maschine kann über lange Zeiten hinweg mit überproportionaler Leistung laufen und perfekte Erfolge bringen. Doch im Gegensatz zu einem Motor hat diese „Maschine“ von ihrem Schöpfer ein eigenes Frühwarnsystem verpasst bekommen. Es ist weit weniger aufdringlich und nervig wie eine blinkende Waschwassernachfüllanzeige oder ein sich steigerndes piependes Anschnallsignal. Und es hat keine durchbrennenden Sicherungen, die auf einen Schlag das ganze System außer Betrieb setzen können. Es arbeitet sacht und leise.

Es sagt uns Menschen auf unerschiedliche Art und Weise – und mit unterschiedlichen Intensitäten – das „etwas“ nicht (mehr) in Ordnung ist oder das etwas droht defekt zu gehen. Da piekst es plötzlich hier, da hakelt es ein ander Mal dort. Da fällt etwas, ansonsten leicht von der Hand Gegangenes, „plötzlich“ wahnsinnig schwer. Da schweifen „plötzlich“ die Gedanken ab und man ist nicht mehr bei der Sache. Da wird man „plötzlich“ schneller müde als sonst.

Und Vieles mehr.

Und dann hat man die Wahl: diese Signale zu ignorieren oder auf sie zu reagieren.

Ignorieren geht eine Zeitlang. Aber eben nur eine zeitlang. Denn die Signale werden dadurch nicht schwächer oder lassen gar nach. Im Normalfall jedenfalls nicht.

Und irgendwann kommt dann der Zeitpunkt, an dem die „Körpermaschine“ sagt: „Schluß mit lustig! Wir wollen doch mal sehen, ob wir den „Maschinenführer“ nicht mal zur Vernunft bringen können.“ Und dann werden einfach ein paar – scheinbar – unwesentliche Aggregate oder Einheiten kurzzeitig außer Betrieb gesetzt. – Und „plötzlich“ läuft die Karre nur noch sehr, sehr unrund.

Das wird dann landläufig erst einmal als „krank sein“ bezeichnet. Unschön. Aber es ermöglicht dem „Maschinenführer“ das Einschieben einer mehr oder minder längeren „Pause“.

Die tut nicht nur dem Maschinenführer, sondern auch der Maschine gut.

Und diese Pause „durfte“ ich in dieser Woche einlegen. Von Sonntag bis Mittwoch nahm ich gar nicht am Geschäftsbetrieb des SCM Shop Fallersleben teil und am Donnerstag nur zu einem kleinen Anteil.

Fazit:

Es geht auch mal ohne mich. Klar, nicht alles. Und das ist auch in Ordnung so. Schließlich möchte man ja doch noch zu etwas Nutze sein 😉 Aber die grundsätzliche Erkenntnis: Es geht auch mal ohne mich, hat etwas sehr Beruhigendes.

Darum werde ich auch heute und morgen noch in dieser „Teilzeitarbeit“ verweilen. Im 2. Buch der Bibel, dem 2. Buch Mose, im 20. Kapitel steht:

„10…aber der siebente Tag ist Sabbath dem HERRN, deinem Gott: du sollst keinerlei Werk tun, du und dein Sohn und deine Tochter, dein Knecht und deine Magd, und dein Vieh, und dein Fremder, der in deinen Toren ist. 11 Denn in sechs Tagen hat der HERR den Himmel und die Erde gemacht, das Meer und alles was in ihnen ist, und er ruhte am siebenten Tage; darum segnete der HERR den Sabbathtag und heiligte ihn.“

Was heißt das?

„Junge, du musst arbeiten. Ohne Arbeit klappt es im Leben nicht. Sei fleißig und gib dein Bestes. Selbst Gott brauchte sechs Tage um die Welt zu erschaffen. Das war eine Menge Arbeit. Und obwohl er während dieser Arbeit immer mal wieder inne hielt, zurückschaute und alles für GUT befand, reichten diese kleinen Pausen dem Schöpfer nicht aus. Nach den sechs Tagen harter Arbeit, gab es keine zehn Minuten Raucherpause, kein Knoppers zwischendurch, kein KitKat-Break – nein, es gab 24 Stunden frei. Nichtstun. Nothing. Nada. Niente.“

Die Pausen sind nicht das Wichtigste im Leben, schließlich haben wir ein Verhältnis von 6:1 zwischen Arbeit und Ruhezeit, aber Gott der Herr hat es so eingerichtet. Arbeit und Pause. Und er hat sich etwas dabei gedacht. Wer sind wir, dass wir diese Anleitung für ein gelingendes Leben so derart ignorieren? Wer bin ich, dass ich das in den letzten Jahren auch immer gern mal wieder ignoriert habe?

Ich bin der, der diese Woche auf der Nase gelegen hat und es z.T. immer noch mache.

Und darum werde ich diese „Zwangspause“ als guten Hinweis annehmen können. Fazit: Arbeit? Ja, auf jeden Fall. Mit vollem Einsatz und Engagement wie bisher. Aber: Auszeiten einplanen, nutzen und einhalten! – Dann geht es auch ordentlich weiter.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein schönes und erholsames Wochenende!

Vielleicht mit einem Besuch unserer Bonhoeeferausstellung?

Bis demnächst

Andreas

Inhaber DER christlichen Buchhandlung im Großraum Wolfsburg, Gifhorn, Braunschweig, Helmstedt.

SCM Shop Fallersleben
Buchhandlung Andreas König
Bahnhofstr. 10
Öffnungszeiten: Mo – Fr 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr Sa 9.00 Uhr bis 13.00 Uhr, Tel. 05362 126280

 

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