Endlich wieder am Meer

Endlich wieder am Meer

Zum Buch

Ich bin mir nicht sicher, ob es gut und sinnvoll ist, eine Buchrezension gleich nach dem Ende der Lektüre zu schreiben.

Vielleicht habe ich das Gelesene ja noch nicht vollständig verarbeitet? Vielleicht habe ich es noch gar nicht richtig verstanden und werde demnach falsche Informationen an euch weitergeben? Vielleicht sollte man immer erst eine Nacht über eine Sache schlafen, bevor man etwas dazu sagt?

Sicher kennt ihr solche Gedanken in ähnlicher Art und Weise auch. Kaum hat man eine gute Idee (oder meint diese zu haben) kommen sofort Gedanken hinzu, die versuchen, diese vermeintlich gute Idee kaputt zu machen und zu relativieren. Wie viele eurer „guten“ Ideen wurden schon auf diese Weise zerstört und gar nicht erst umgesetzt? Drei? Fünf? – Vermutlich sind es, wie bei mir auch, sogar dutzende von Ideen, die niemals realisiert wurden.

Ich will gar nicht sagen, dass man immer sofort jeden Gedanken, der einem kommt, ohne Nachzudenken angehen und umsetzen sollte. Dafür haben wir unser Gehirn ja schließlich auch bekommen: wir dürfen es gern benutzen.

Mir geht es vielmehr darum, dass wir, sobald wir eine Idee haben, in ein anerzogenes(?) Verhalten verfallen, das schon so manchen kreativen und guten Gedanken im Keim erstickt und umgebracht hat. „Darf man das?“, „Was werden die Nachbarn sagen?“, „Wird das nicht sehr anstrengend?“, „Was wird das wohl kosten?“ usw. usw. usw.

Noch bevor wir den Gedanken überhaupt zu Ende gedacht und auf seine tatsächliche Machbarkeit hin haben prüfen können, kommen uns die Killerphrasen in den Sinn und unsere Idee landet in der großen Mülltonne des Vergessens. Übrig bleibt oft ein unbewußtes Gefühl, schon wieder eine Gelegenheit verpasst zu haben.

Leif, der alte, weise Angelführer aus Udo Schröters neuem Buch „Endlich wieder am Meer“ beschreibt diese Killergedanken als Steine in unserem „inneren Staudamm“. Unser Leben wird von Geburt an gespeist von der göttlichen Quelle, die niemals versiegt. Doch im Laufe der Jahre, schon von Kindesbeinen an, legen wir selbst – und auch andere Menschen – kleine und größere Steine in das Bächlein unseres Lebens. Z.B. solche Phrasen. Nach und nach staut sich unser Leben auf, der Damm wird größer, der Fluß versiegt mehr und mehr. Zurück bleibt Frust und eine innere Leere, ein schwarzes Loch, dass wir doch so gerne wieder füllen möchten und es meist gar nicht können. Denn: „Darf man das?“, „Was werden die Nachbarn sagen?“, „Wird das nicht sehr anstrengend?“, „Was wird das wohl kosten?“ usw. usw. usw.

Endlich wieder am Meer“ ist wie schon „Bin am Meer“ ein tolles Buch geworden. Ich weiß, das klingt recht platt. Dennoch ist es so.

Udo Schröters Bücher sind echte Perlen. Sie lassen sich gut lesen und beinhalten dennoch so viel, dass aus einer Erzählung ganz schnell ein handfestes Sachbuch wird. Ich habe dieses Mal nicht das offizielle Cover des Verlages für die Rezension verwendet, sondern ein Foto meines Exemplares, das ich soeben gelesen habe. Wie man unschwer erkennen kann, habe ich mit Hilfe vieler Klebezettel zahlreiche Stellen im Buch markiert, damit ich diese zu einem späteren Zeitpunkt schneller wiederfinden und vor allen Dingen lesen und verinnerlichen kann.

Dabei geht es nicht darum, Gelesenes auswendig zu lernen und mantramäßig zu wiederholen, sondern es geht darum, die (für mich persönlich) wichtigen Stellen und Erkenntnisse des Buches immer wieder einmal ins Bewusstsein zu holen. „Bin am Meer“ und auch „Endlich wieder am Meer“ sind Bücher, mit denen man genau so etwas machen sollte. Diese Bücher wird man immer wieder einmal hervorholen, weil soviel in ihnen steckt.

Ich könnte (und würde auch am liebsten) alle von mir markierten Stellen hier zitieren und weitergeben. Aber erstens würde das den Rahmen dieser Rezension bei Weitem sprengen und zweitens handelt es sich dabei um Stellen, die meine ganz persönlichen Merkstellen sind. Bei euch können es ganz andere Textstellen sein, die euch ansprechen.

Einige möchte ich dennoch hier aufführen, weil sie mehr sagen, als alles, was ich hier über „Endlich wieder am Meer“ schreiben könnte.

Die oben erwähnten Killerphrasen unseres Lebens grenzen uns ein. Udo Schröter schreibt dazu:

„Weißt du, was mit Pipi Langstrumpf heute passieren würde?“
Leif hielt plötzlich inne und schaute mich an.
Ich war immer noch erheitert von seinem Tanz und mir liefen vor Lachen die Tränen über das Gesicht, als ich den Kopf schüttelte.
„Sie wäre ein Ritalin-Kind!“, beantwortete Leif seine Frage selbst.

Und:

„Wenn man irgendwann angekommen ist in der Welt des Staudammlebens, in einem Leben, das so gar nicht vor Kraft und Freude sprüht und in dem man das Gefühl hat, nur zu funktionieren und nicht zu leben, dann beschleicht einen jeden Tag ein Gefühl von Mangel.“

Weiter schreibt er:

„Wenn ich dankbar bin, bin ich mit Gott verbunden. Dankbar ist man ja nicht einfach so im luftleeren Raum, sondern mein Dank braucht einen Adressaten. (…) Du lenkst deinen Fokus auf die Fülle, statt auf den Mangel.“

Mich persönlich sprach eine andere Stelle in „Endlich wieder am Meer“ ganz besonders an. Leif, unser Angelführer beschreibt darin Strömungsrinnen zwischen Sandbänken. In diesen Rinnen herrscht eine starke Strömung hinaus aufs Meer, obwohl sich das Wasser rings um zum Land hin bewegt. In diesen Rinnen ist die Strömung sehr stark und was Leif darüber erzählt, lässt sich so gut auf unser Leben anwenden:

„Bis heute geraten jedes Jahr Menschen in Lebensgefahr, weil sie in diese Rinnen hineingeraten und versuchen, gegen die Strömung wieder an Land zu schwimmen, statt sich der Strömung hinzugeben und sich von ihr hinaustragen zu lassen, bis sie an Kraft verliert, um dann über die flacheren Sandbänke wieder an Land zu kommen. Es sind meist keine fünfzig Meter, die man sich hingeben muss.“

Was für eine Erkenntnis!

Uns geht es doch auch so. Wir leben unser Leben und glauben alles im Griff zu haben. Und dann kommt plötzlich eine Strömung und reißt uns mit sich fort, das Leben gerät aus den Fugen. Und wir beginnen zu rudern, zu kämpfen und kommen aus der Puste. Dabei können wir als Christen doch auf den vertrauen, der uns trägt: Jesus Christus. Wir sollen uns nicht über den morgigen Tag Sorgen, denn jeder Tag hat seine eigene Plage (Matthäus 6, 25). Und wenn wir auf ihn schauen, gehen wir auch nicht unter (Matthäus 14, 29-33)

Also lassen wir uns, wenn uns eine Strömung erfasst, gegen die wir nicht sofort ankommen, doch einfach mal in sie fallen. Haben wir ein bisschen Geduld, beten wir aus tiefstem Herzen und hören wir mit dem Herzen auf die Antwort, die garantiert kommen wird. Wie auch immer sie ausfallen wird.

Aber das ist meine Erkenntnis aus „Endlich wieder am Meer„.

Welche habt ihr?

Bis demnächst

Andreas

Inhaber DER christlichen Buchhandlung im Großraum Wolfsburg, Gifhorn, Braunschweig, Helmstedt.

SCM Shop Fallersleben
Buchhandlung Andreas König
Bahnhofstr. 10
Öffnungszeiten: Mo – Fr 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr Sa 9.00 Uhr bis 13.00 Uhr, Tel. 05362 126280

Endlich wieder am Meer

1 Response

  1. Antheus sagt:

    Ich finde auch eines der besten Bücher die ich je gelesen habe.
    Es hilft einem seiner Gefühle bewusst zu werden

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