Das Tribunal

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„DIESER Randy Singer sieht anders aus“, dachte ich mir, als ich das Cover von Randy Singers neuestem Werk „Das Tribunal“ zum ersten Mal sah.

Natürlich war es daher klar, dass ich diesen Singer lesen würde. – Und das habe ich dann auch getan.

Das Tribunal“ unterscheidet sich in sofern von anderen Singer Büchern, weil es nicht im Hier und Heute, sondern in der Vergangenheit spielt. Um genau zu sein, in der Zeit zur Kreuzigung Jesu und den Jahren danach. In den Jahren des Kaisers Caligula, dessen Namen und Ruf den meisten von euch sicher schon einmal über den Weg gelaufen ist. Die Historie und diverse darauf basierende Werke der Literatur und des Films haben sich mit diesem Mann schon zur Genüge auseinandergesetzt. Und wenn man allen Darstellungen halbwegs trauen darf, dann muss Caligula ein – nun sagen wir mal – eher „unliebsamer Bursche“ gewesen sein.

Caligula steht im Grunde genommen in einer Reihe mit einem durchgeknallten Nero, nur mit dem „Prädikat“ noch um Einiges grausamer gewesen zu sein. Ob Caligula oder Nero, beide stehen in engem Zusammenhang mit der blutigen Christenverfolgung im alten Rom.

In dieser – für Christen und andere beim Kaiser unbeliebte Geschöpfe – unfriedlichen Zeit lässt Randy Singer den jungen Theophilus die Bühne betreten. Theophilus war Schüler des bekannten römischen Gelehrten Seneca. Genauso wie der junge Caligula auch. Schon in dieser Zeit zeigte der Sohn des Kaisers seinen verschrobenen Charakter. Und so wird Theophilus gleich zu Beginn von „Das Tribunal“ von Caligula und seinen jugendlichen Gefolgsleuten gekreuzigt. Zwar nicht mit Nägeln, so wie man es mit Jesus Christus getan hat, aber immerhin so, dass Theophilus Todesängste durchleben muss, die ihn sein ganzes Leben hindurch prägen sollen.

Ich gestehe, diese „Kreuzigungsszene“ geht schon ein ganzes Stück an die Nieren. Zu mindest bei mir war das so. Und ich dachte mir: „Randy, so kenne ich dich ja gar nicht!“

Und tatsächlich. „Das Tribunal“ ist ein irgendwie ein „anderer“ Randy Singer. Noch mehrfach im Verlauf der Handlung wird es doch recht blutig. Vermutlich war die Zeit so. Gehen wir zu Randys Gunsten einmal davon aus.

Ansonsten bleibt der Autor auch in „Das Tribunal“ seinem Genre, dem des Gerichtskrimis, treu. Theophilus absolviert quasi ein „Auslandssemester“ an der Seite eines gewissen Pontius Pilatus im Heiligen Land. Er wird dabei Zeuge der Verhandlungen gegen den Wanderprediger Jesus Christus. Theophilus Ratsschläge, die er dem Stadthalter von Jerusalem erteilt, führen letztlich zur Kreuzigung von Jesus Christus. Da Theophilus durch seine Jugenderfahrung eine ungefähre Ahnung vom Leid hat, das der Verurteilte ertragen muss, werden die Ereignisse ihn auch noch viele Jahre später in Rom auf unliebsame Weise begleiten und prägen.

Eines Tages soll er die Verteidigung eines Gladiatoren übernehmen, dem ein Verhältnis mit einer vestalischen Jungfrau – ein Sakrileg – vorgeworfen wird. Sein Gegenspieler und Vertreter der Anklage ist der derzeitige Kaiser höchstpersönlich – Caligula!

Einige von Jesus Worten haben Theophilus die ganzen Jahre über begleitet und auf Grund dessen hat er schließlich einen Lösungsansatz für eine Verteidigung. Dem Kaiser bleibt keine Wahl. Aber das ohnehin schon angespannte Verhältnis zwischen Caligula und Theophilus wird schlechter. Und dann kommt der Zeitpunkt, an dem Theophilus eine folgenschwere Entscheidung treffen muß…

Das Tribunal“ ist mit seinen 512 Seiten kein dünner Roman. Aber das macht gar nichts. „Das Tribunal“ schafft es, den Leser ohne übermäßige Längen in das alte Rom des Caligula zu versetzen und für einige Stunden ans Sofa oder den Lieblingslesesessel zu fesseln.

Wie eingangs schon erwähnt, für Randy Singer Verhältnisse, „blutiger“ als gewöhnlich, aber dennoch spannend und gut zu lesen.

Als Urlaubslektüre geeignet!

Bis demnächst

Andreas

 

Das Tribunal Book Cover Das Tribunal
Randy Singer
Roman
SCM Hänssler
Juni 2015
Paperback
512

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