Charlotte und die Sprache der Blumen

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Nach der Lektüre von Siri Mitchels „Der Duft von Karamell“ freute ich mich schon auf das soeben neu erschienene Buch „Charlotte und die Sprache der Blumen„.

Nicht das ich immer mehr zum Frauenromanfan mutiere. Das sicher nicht. Aber ich mag gut geschriebene und erzählte Geschichten. Egal ob nun „nur für Frauen“ oder „nur für Männer“. Sie sollten gut sein und mich zu fesseln wissen. Punkt.

Bei Siri Mitchel ist es allerdings nicht unbedingt die fesselnde und spannende Geschichte, die mir an ihren Büchern gefällt, sondern vielmehr der leichte und schmunzelnd-verschmitzte Humor, der auf jeder Seite sprüht. Das gefiel mir in „Der Duft von Karamell“ bereits sehr gut und meine Erwartung wurde (hinsichtlich des Humors) in „Charlotte und die Sprache der Blumen“ noch übertroffen.

Charlotte ist eine Botanikerin im England der Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie lebt bei ihrem Vater, der durch das Trauma des Verlustes seiner Frau, Charlottes Mutter, erst langsam wieder ins Leben zurückkehren konnte. Daran war Charlotte stark beteiligt. Und auch jetzt regelt sie alle Geschäfte ihres Vaters, der ebenfalls Botaniker ist. Er ist selten ganz bei der Sache und, wie wir in Norddeutschland sagen, ein bisschen „tüddelig“. Charlotte ist klug, eine gute Zeichnerin von Blumen, aber nicht unbedingt eine ordentliche Person. Frei nach dem Motto: „Warum soll ich meine Papiere abheften, wenn ich weiß, in welchem Stapel die richtigen Unterlagen liegen?“

Dementsprechend sieht das Haus dann auch aus.

Ein Freund der Familie, der „Admiral“, bringt nun Veränderungen in Charlottes stetes und dahingleitendes Leben. Der Admiral war schon immer das schwarze Schaf der Famile. Er hatte die spinnerte Idee, statt sich mit Botanik, wie der Rest der Familie, abzugeben, zur See zu fahren. Also wirklich….. tztztztztz.

Egal. Der Admiral und Charlottes Vater haben beschlossen, dass es für sie besser wäre, einen Mann zu finden und zu heiraten. Alt genug war sie schon und musste endlich mal auf den Markt geworfen werden. „Glücklicherweise“ taucht auch noch ein Schaffarmer aus Neuseeland auf, der Charlottes Stellung im Haus des Vaters sofort übernehmen kann und – schwupps – ist Charlotte arbeitslos und hat viel Zeit, sich dem Männerfang und der „Gesellschaft“ der Gegend zu widmen.

Charlotte ist schockiert. Sie ist mit den gesellschaftlichen Gepflogenheit der feinen Gesellschaft nicht vertraut und hat ganz offensichtlich null Bock auf die ganze Sache. Sie ist echt stinksauer. Auf den Vater, den Admiral und vor allem auf den Eindringling aus Übersee, der ihr die Arbeit wegnimmt.

So ist es ihr ein fast teuflisches Vergnügen, ihn am langen Arm verhungern zu lassen, wenn er von Charlottes „Ordnung“ schier zum Wahnsinn getrieben wird.

Das gesellschaftliche Pflaster der ländlichen Gegend, entwickelt sich für Charlotte sehr schnell zum gesellschaftlichen Glatteis. Sie nimmt jeden Fettnapf mit und sorgt dafür, dass die eine oder andere Dame schon mal ohnmächtig, weil schockiert, mit wallenden Röcken zu Boden sinkt.

Nur die junge Miss Templeton nimmt sich ihrer an und findet die ganze Sache äußerst a-mü-sant! Sie entwickelt einen Plan. Charlotte soll möglichst vielen Männern den Kopf verdrehen und gleichzeitig den neuen Gehilfen des Vaters richtig dumm dastehen lassen. Schließlich soll der Vater merken, was er an ihr gehabt hat und sie, bevor sie einen Mann heiratet und aus dem Haus verschwindet, wieder zurückholen und den Neuseeländer zurück zu scheinen Schafen schicken.

Ob das wohl alles so klappen wird?

Mit über 300 Seiten ist „Charlotte und die Sprache der Blumen“ rel. dick geraten. Ein paar Seiten weniger hätten ihm vielleicht noch besser getan. Aber die kleinen Längen bzw. Wiederholungen ähnlicher Begebenheiten sind leicht zu verschmerzen, da Siri Mitchells Humor gut darüber hinwegtröstet.

Charlotte und die Sprache der Blumen“ ist ein schöner Blick auf die oft steifen und verschrobenen, gesellschaftlichen Zwänge des 19. Jahrhunderts. Manches Mal war beim Lesen wirklich Fremdschämen angesagt. Man meint „blau“, wird aber dennoch „grün“ sagen, weil es „die Etikette“ so verlangt. Selbst, wenn es das pure Gegenteil von dem ist, was man eigentlich sagen wollte bzw. denkt.

Und Charlotte denkt viel.

Und auch noch selbstständig.

Mon dieu!

Um es nicht zu lang ausdehnen: „Charlotte und die Sprache der Blumen“ ist humorvolle Literatur mit schönem Schmökereffekt.

Bis demnächst

Andreas

Charlotte und die Sprache der Blumen Book Cover Charlotte und die Sprache der Blumen
Siri Mitchell
Roman
SCM Hänssler
Juli 2015
Paperback
384

Ihr Vater ist an allem schuld: In seinem Haus konnte Charlotte ihrer Leidenschaft für Pflanzen und Blumen nachgehen - bis sich ein Onkel einmischt. Er überzeugt ihren Vater, dass Charlotte heiraten und Kinder bekommen muss. Charlotte beugt sich und tritt in die feine Gesellschaft ein, eine Welt, die sie mit ungeschriebenen Gesetzen verwirrt. Sie ist überzeugt, dass ihr Vater ohne sie verloren ist. Doch was, wenn der Assistent, der ihre Forschungsarbeit übernimmt, ihre einzige Hoffnung ist?

Leseprobe

Charlotte und die Sprache der Blumen

Leseprobe: 395669000_Leseprobe.pdf

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