Ich will das Leben küssen!

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Margarethe Schreinemakers. Wer aus meiner Generation kennt sie nicht? Quirrlig, temperamentvoll, frech, engagiert.

Lange habe (ich persönlich) nichts von ihr gehört. Um so überraschter war ich, als ich erfuhr, dass sie Tod war und nun ein Buch bei adeo darüber geschrieben hat. Logisch, dass ich das auch lesen musste. Was ich nun auch am letzten Wochenende getan habe.

Sie stammt, wie ich, aus einem katholischen Elternhaus und wurde, nach ihren Berichten zu urteilen, auf eine ganz besondere Art und Weise erzogen, die sie zu diesem Menschen machte, der sie heute ist.

Ob nun der mathematisch begabte Vater, der sie förderte. Die Mutter, die ihr praktizierte Nächstenliebe vorlebte und Zufriedenheit mit dem, was man hat beibrachte. Oder ob „Tante Grete“ immer ein offenes Ohr für sie hatte und zu einer weiteren „Mutter“ für Margarethe wurde. Alle diese Menschen haben Margarethe Schreinemakers offensichtlich bis heute tief geprägt. Und sie ist sehr dankbar dafür.

Margarethe Schreinemakers vermittelte mir in „Ich will das Leben küssen!“ das Bild einer Frau, die weiß, was sie immer machen wollte – nämlich Journalistin sein. Eine Frau, die bei all ihrer Prominenz immer auf dem Boden geblieben ist. Eine Frau, die auch auf „Menschen von der Strasse“ ohne Scheu zugeht und Kontakt aufnimmt. Es gibt im Buch dazu ein paar nette Episoden, die das sehr deutlich machen. Mit der Frau möchte man mal einen richtigen Klönschnack halten. Ein Tässchen Tee schlürfen oder mit ihren „Kojoten“ eine ordentliche Runde durch den Wald gehen.

Da ist kein „Star“, kein „Prommi“. Da ist ein Mensch. Fröhlich, interessiert, aber auch zerbrechlich und mitfühlend. Die Geschichten, von denen sie in ihrer wohl bekanntesten Fernsehsendung „Schreinemakers live“ berichtete, ließen sie nicht kalt. Und wenn es dann ans Herz ging, verbrag sie auch die Tränen nicht. Na und? Schwäche? – Keineswegs! Für mich ist so etwas Stärke. Das ist menschlich. Roboterhafte, kalte Moderationsmarionetten laufen (heute) zur Genüge im TV herum. Die braucht doch niemand.

In „Ich will das Leben küssen!“ nimmt uns Margarethe Schreinemakers mit auf eine Reise durch ihr Leben. Eigentlich ja durch ihre zwei Leben. Eines vor ihrem Tod. Eines nach ihrem Tod.

Ja, sie war schon einmal tot. Während des Joggens mit ihrem (jetzigen) Mann machte sie auch heiterem Himmel schlapp und war mehrere Minuten „auf der anderen Seite“. Viele glückliche „Zufälle“ sorgten jedoch dafür, dass sie nicht allein war, dass man ihr helfen konnte, dass die richtigen Menschen „zufällig“ in der Nähe waren. Und so wachte sie irgendwann wieder auf der Intensivstation auf. Zwar völlig durch den Wind und noch längst nicht wieder zurück. Aber sie lebte!

Es dauerte eine Weile, aber dann war sie wieder hergestellt. Aber war sie wieder „ganz die Alte“?

Nein.

Wer so eine Erfahrung macht, der lebt nicht mehr wie „vorher“. Auch ich selbst kann dabei ein wenig mitreden. Zwar war ich noch nicht tot, aber ich durfte vor nunmehr fast 14 Jahren – es war der 29. Oktober 2001 – dem Gevatter Sensenmann auch von der Schippe hüpfen. Zu realisieren, dass es nun hätte „aus“ sein können, man aber eine zweite Chance bekommen hat. Das haut einen schon mal um. Das kann ich euch verraten.

Deshalb konnte ich jene Passagen in „Ich will das Leben küssen!“ sehr gut nachempfinden, die von der Zeit „danach“ berichteten. Margarethes überschäumende Lebensfreude. Ihre Lust auf Leben. Ihre Dankbarkeit für so viele kleine Dinge. Die ganz besondere Intensität, das Leben zu erfahren. Und die Gewissheit / Ahnung, dass nach dem Tod eben nicht alles vorbei ist.

Ich will das Leben küssen!“ berichtet aber nun keineswegs über den Himmel und wie es da so war. Nein. Darüber schweigt die Autorin. Es bleibt also ein Geheimnis, ob und was sie eventuell während des „Wegseins“ erlebt hat. Wir wissen also nicht, ob da „etwas“ war oder ob nichts war. Das weiß Margarethe Schreinemakers allein. Das ist auch in Ordnung. Denn so eine Erfahrung ist eine zutiefst persönliche und private.

Doch nicht alles war rosig und eitel Sonnenschein nach dem einschneidenden Erlebnis. Irgendwann kam dann die Angst. Das Bewusstsein, dass es wirklich „jeden Moment“ aus sein könnte. Dann setzt das Hyperventilieren ein. Dann kommt der Schweiß. Dann rast das Herz. Panikattacken sind alles andere als spaßig.

Aber Margarethe lernte damit umzugehen. Das war ein Weg. Aber sie packte es an und kann damit leben.

Fazit: Die Autorin lässt uns mit einer fröhlich, verschmitzten gut lesbaren Sprache an den Dingen ihres Lebens teilhaben, die sie zu ihrem Motto geführt haben: „Ich will das Leben küssen!

Das macht Freude zu Lesen. Und diese Lebensfreude schafft den Sprung aus dem Buch zum Leser. Es bleibt etwas davon hängen.

Was will man von einem Buch mehr?

 

Bis demnächst!

Andreas

Ich will das Leben küssen! Book Cover Ich will das Leben küssen!
Margarethe Schreinemakers
Biografie
adeo
September 2015
Gebunden
288

Margarethe Schreinemakers erzählt ihre Lebensgeschichte. Hautnah, offen und in einer unnachahmlich frechen Sprache. Wer über 40 kennt die ehemalige Talkmasterin nicht? Sechs bis sieben Millionen Menschen sahen im Durchschnitt jede Woche ihre Sendung Schreinemakers live . In den 1990er-Jahren war sie die quotenstärkste Vollblut-Fernsehfrau. Wer einmal tot war, weiß, wie schön das Leben ist! , lautet ihr Credo. Sie hat es selbst erlebt. Denn sie war acht Minuten tot: Herzstillstand beim Joggen. Vor sechs Jahren. Ihr heutiger Mann Jean-Marie rettete ihr damals das Leben. Nach dem Todeserlebnis kamen die Panikattacken. Jahrelang. Schließlich fand sie einen Weg, die Angst in den Griff zu bekommen und nach vorne zu schauen. Heute entwirft sie Möbel und Inneneinrichtungen - knallbunt und lebensfroh. Margarethe Schreinemakers hat sich entschieden: Ich will das Leben küssen! Und sie gibt ihren Leserinnen mit auf den Weg: Als Schildkröte kannst du nicht steppen .

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