Die Fischerkinder

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Mira Robins liest sehr gern.

Allerdings ist der Staat, in dem sie lebt, in Sachen Bücher – und noch in einigen anderen Dingen – sehr eigen. Nicht jedes Buch ist „zulässig“ und man bekommt es nur auf Rationskarten. Wirklich ein seltsamer Staat.

Der Staat ist die oberste Autorität. Verkörpert durch den König. Staatskunde ist an der Schule eines der wichtigsten Fächer überhaupt. Man hat zu funktionieren. Miras Vater, selbst ein führender Staatsbeamter, bläut ihr das auch immer wieder ein. Der Staat hat vorrang. Punkt. Man benimmt sich so, wie sich das gehört. Political Correctnes wird gelebt. Ja nicht zu spät die Vorhänge aufziehen. Was sollen die Nachbarn denken?

Den Staat, den Melissa Feurer in ihrem wirklich tollen Roman „Die Fischerkinder“ beschreibt, wäre für mich der blanke Horror. „1984“ lässt grüßen. Nicht im Sinne des alles überwachenden „Großen Bruders“, sondern wegen der durchdeklinierten Denke und Sprache, des „Angepasstseins“, des „nur nich Aneckens“, des „immer schön im Mainstream bleibens“.

Gruselig!

Und dennoch zeichnet die erst 24 Jahre alte Autorin das Bild einer möglichen Gesellschaft, in der Strömungen, denen wir auch heute schon im öffentlichen Leben begegnen, ausgebaut und zum Standard erhoben wurden. So „abwegig“ ist ihre Utopie oder besser Dystopie gar nicht.

Dennoch geht es in „Die Fischerkinder“ nicht in ersten Linie um die politischen Hintergründe, in denen sich unsere Romanheldin bewegt.

Mira liest, wie schon erwähnt, sehr gern und gelangt eines Tages an ein verbotenes Buch. Als Leser bekommen wir sehr schnell mit, dass es sich um eine Bibel handelt. In der Bibel findet Mira einen Zettel mit einer Uhrzeit und einer Ortsangabe außerhalb der Innenstadt. Leonhardsburg, Miras Heimatstadt, ist in zwei abgeschottete Bereiche gegliedert: die innere und die äußere Stadt. In der Innenstadt leben die Priviligierten. Staatsbeamte wie ihr Vater und Reiche. Außerhalb haust die Unterschicht und kämpft ums Überleben.

Mira geht den Hinweisen auf dem Zettel zusammen mit ihrer Freundin Vera nach und sie gelangen in das geheime Versteck einer sogenannten „konspirativen Kleinstgruppe“. Also eine Gruppe, die sich dem totalen Zugriff des Staates bewußt entzieht und damit eine Gefahr für diesen darstellt.

Die „Fischerkinder“. In dem Unterschlupf leben aus der Gesellschaft ausgestoßene Menschen, die auf dem Papier gar nicht existent sind. Die „Vergessenen“. Zu ihnen stoßen dann noch andere Fischerkinder, um regelmäßig ihre Versammlungen abzuhalten, in denen der alte Buchhändler Edmund ihnen aus dem „verbotenen Buch“ vorliest.

Mira lässt sich auf ein Doppelspiel ein, um ihr Geheimnis vor ihren Eltern, den Mitschülern und vor allem vor ihrem staatsreuen Vater zu verheimlichen. Wenn es herauskäme, dass sie zu den Treffen geht und somit einer dieser „konspirativen Kleinstgruppen“ angehört: Ärger wäre ja noch das Harmloseste, dass sie bekommen würde.

Filip, der Bruder ihrer Freundin Vera, ist Wachmann und dient dem Staat ebenfalls widerspruchslos. Mit ihm geht Mira aus, um ihrem Vater einen Gefallen zu tun, der eine Verbindung der beiden gern sehen würde. Filip und Mira spielen ihren Eltern etwas vor, um Ruhe zu haben.

Doch dann bricht eines Tages in der Außenstadt ein Brand aus und es kommt zu schweren Beschädigungen, Toten und Verletzten. Mira bekommt große Angst um die „Die Fischerkinder„. Gleichzeitig entdeckt sie, dass das geheime Versteck der Gruppe in Gefahr ist und die Wachmannschaften nun auch noch mit Waffen ausgerüstet werden. Die Lage spitzt sich zu. Hat jemand „Die Fischerkinder“ verraten? Wie kann Mira sie warnen?

Die Fischerkinder“ ist ein tolles Buch! Ich könnte noch eine ganze Menge mehr erzählen, aber ich möchte natürlich nicht die ganze Geschichte vorwegnehmen.

Wer einen schönen Schmöker haben möchte, der auch (und gerade auch) für Jugendliche geeignet ist, der ist mit „Die Fischerkinder“ bestens bedient.

Und eine gute Nachricht noch zum Schluss: Das Ende „schreit“ ein bisschen nach einer Fortsetzung. Ich bin sehr gespannt, ob uns Melissa C. Feurer diese Freude machen wird. 😉

Achja: „Die Fischerkinder“ wurde mit dem C. S. Lewis Preis ausgezeichnet. Zu Recht! Gratulation!

Bis demnächst!

Andreas

Die Fischerkinder Book Cover Die Fischerkinder
Melissa C. Feurer
Roman
Brendow
August 2015
Gebunden
440

Mit ihrer Familie lebt die junge Mira in einem streng autoritär geführten Staat. Als Tochter eines hohen Beamten ist sie privilegiert und hat eine gesicherte Zukunft im Blick. Da fällt ihr ein verbotenes Buch in die Hände, das von einem Wanderprediger aus längst vergangenen Tagen erzählt - und sie einfach nicht mehr loslässt. Bald bekommt sie Kontakt zu den Fischerkindern, einer geheimen Untergrundorganisation, die sich gegen den brutalen Staat auflehnt. Hier findet sie nicht nur ungewöhnliche Freunde, sondern auch eine spirituelle Heimat. Zudem lernt sie den geheimnisvollen Chas kennen, der sie von Beginn an in seinen Bann zieht

Für Die Fischerkinder gewann Melissa C. Feurer den C.S. Lewis-Preis 2014. Ein spannender Roman um Glaube, Liebe, Hoffnung und Verrat.

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