Ein Sonett für die Müllerin

Der Westerwald. Kurz nach dem 30-jährigen Krieg. Sophie lebt mit Vater Henrich, Magd Martha und Lehrling Konrad in der Mühle ihres Vaters. Ihr Mann Dietrich ist in den Krieg gezogen und sie hat ihn seit vier Jahren nicht gesehen. Obwohl niemand daran glaubt, ist sie fest davon überzeugt, dass er eines Tages zurückkehren wird. Diese Rückkehr hatte sie sich allerdings ganz anders vorgestellt.

Ein Sonett für die Müllerin war das erste Buch das ich von Annette Spratte gelesen habe. Soviel steht für mich schon einmal fest: es wird nicht das letzte gewesen sein!

Bereits seit 2020 ist sie mir als Romanautorin bei Franke-Buch immer wieder aufgefallen. Vielleicht lag es an den Buchcovern. Vielleicht an den historischen Hintergründen ihrer Bücher. Beides hat mich auf jeden Fall angesprochen. Und obwohl der vorliegende Roman als Frauenroman gekennzeichnet ist, betone ich ausdrücklich, dass er auch für Männer geeignet ist. Gerade auch wegen des Themas häusliche Gewalt, dass hier thematisiert wird. Um es aber gleich vorwegzunehmen: es ist kein gruseliges Buch.

Mich faszinierte beim Lesen in erster Linie die lebhafte und bildhafte Darstellung des Lebens in dieser Zeitepoche. Die Szenen der einzelnen Kapitel erschienen beim Lesen vor meinen Augen und ich hatte das Gefühl einen guten Film zu sehen. So zu schreiben ist eine Gabe. In der Realität war es damals sicherlich noch etwas anders, aber für mich ganz persönlich ist der Westerwald im Sommer und Herbst 1649 sehr realistisch dargestellt. Ich sagte ja bereits, dass mir das besonders gefallen hat.

Das Leben war nicht einfach und der Kampf ums Überleben hart. Dennoch dürfte der lange Krieg nach seinem Ende das Miteinander der Menschen positiv geprägt haben. Und so bringt es das Buch auch herüber. Jeder hat seine Sorgen und Nöte. Dennoch sind da Familie, die Nachbarn und die Menschen der Region. So wird rege Anteil an Freud und Leid im Miteinander genommen. Der Glaube spielt eine wichtige und verbindende Rolle. Man kümmert sich umeinander, es wird viel getratscht, aber auch Ausgrenzung und Ächtung sind oft nicht weit von einander entfernt. Und auch Aber- und Geisterglaube. Ich denke dabei schmunzelnd an die knorrige Magd Martha.

So erlebt Sophie im Lauf der Geschichte einige „Abenteuer“. Einige davon sind allerdings eher Schicksalsschläge. Doch sie lässt sich nicht unterkriegen. Irgendwo in ihr ist immer Hoffnung, obwohl sie einige Altlasten mit sich herumschleppt. Das Leben ist ein Auf und Ab. Und sie darf erfahren: es kommen immer wieder auch gute Zeiten.

Leseempfehlung für alle, die gut recherchierte historische Romane mögen, die zudem noch ein leider immer noch gegenwärtiges brisantes Thema ansprechen – häusliche Gewalt.

Und dennoch ist Ein Sonett für die Müllerin gute Unterhaltung mit einem Happy…. naja, ihr wisst schon.

Ein Sonett für die Müllerin Book Cover Ein Sonett für die Müllerin
Annette Spratte
Roman
Francke-Buch
Januar 2022
Paperback
432

Westerwald, 1649: Die dreißigjährige Sophie betreibt mit ihrem alternden Vater eine Mühle in einem kleinen Dorf bei Altenkirchen. Eigentlich hatte sie gedacht, dass mit Ende des Krieges alles besser und ihr Mann endlich heimkehren würde. Stattdessen wird im Mühlengraben die Leiche eines Soldaten entdeckt. Danach ereignen sich seltsame Dinge. Sophie hört des Nachts Schritte, Haushaltsgegenstände verschwinden oder finden sich plötzlich am falschen Ort wieder. Die alte Magd Martha ist felsenfest überzeugt: In der Mühle spukt es. Doch diesen Gedanken weist Sophie weit von sich – nicht nur wegen der romantischen Gedichte, die sie findet. Es muss eine natürliche Erklärung geben. Kommt sie dem Geheimnis auf die Spur?

Triggerwarnung: Dieses Buch enthält Szenen häuslicher Gewalt. Im Anhang finden Sie ein Glossar mit Worterklärungen und historischen Fakten.

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